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Apr

Warum wird immer abgekocht?

Geschrieben von: Andreas Schöneberg on 26. April 2011.

Auch wenn diese Binsenweisheit mindestens für einen 10er ins Phrasenschwein gut ist: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Diese Erkenntnis schränkt auch in der Kommunikation den Handlungsspielraum bzw. vor allem die Gestaltungsfreiheit manchmal mehr ein, als es einem lieb ist. Gerade die neuen Medien, die inzwischen keine mehr sind, mussten sich in den ersten Jahren die Aufmerksamkeit der Benutzer erst einmal mühsam erarbeiten. Denn nicht alle Menschen sind Technik-Freaks oder Liebhaber kunstvoller Gestaltung. Otto Normalverbraucher (wieder 10 Euro weg) hat eine andere Intention, wenn er sich beispielsweise im Internet auf einer Website informiert: Er will etwas finden, etwas wissen oder aber etwas kaufen. Was er nicht will, ist, sich auf jeder neuen Website wieder dem unangenehmen Gefühl ausgesetzt zu sehen, eigentlich ein Navigationsgerät haben zu müssen, um überhaupt etwas finden zu können.

Die Antwort auf verwirrende Vielfalt war schon immer „Standardisierung“. Einen echten Zauber verströmt dieses Wort bei allen Vorteilen jedoch leider nicht. Denn so sehr bestimmte Rasterungen auf Websites, aber auch in anderen Werbeformen den Zugang zum Kunden auch erleichtern mögen: nicht nur uns als Agentur kommt das manchmal etwas wenig vor, Ihnen sicher auch. Schließlich sind auch Sie nicht Standard, sondern in Ihrem Geschäftsfeld top.

Umso mehr verwundert es, dass oftmals gerade bei den Zutaten für Kommunikationen, bei denen die Gestaltungsmöglichkeiten prinzipiell ja noch vorhanden sind, so wenig Zeit und Mühen investiert werden. Und das sind namentlich vor allem die beiden ganz großen Zutaten jeglicher Kommunikation: Text(-sprache) und Bild(-sprache).

Natürlich: Überschriften der Kategorie „Ihre Ansprechpartner“ oder „Unser Service für Sie“ sind in ihrem Informationsgehalt ja eindeutig und alle Male besser als Süßholzraspelei à la „Wir warten jederzeit auf Ihren Anruf“, trotzdem ist es sprachliche Schonkost. Ergänzt man diese Aussage dann aber noch mit einem Archiv-Bild der Marke „Junge Frau am PC mit Headset auf dem Kopf“ - wahrscheinlich auch noch blond -,  dann haben Sie ja auch nichts falsch gemacht. Aber Sie werden damit leben müssen, dass Sie Ihre Kontaktseite im Internet häufiger kopiert sehen, als ihnen lieb ist.

Leider nicht bei sich selbst, sondern auf vielen, vielen anderen Websites, die sich in den gleichen Bildarchiven bedient haben und deren Macher in der Schule wohl vor allem in einer Sache gut waren: Dem Abschreiben. Wir glauben daher schon, dass auch im Zeitalter des billigen Bildes das individuell für Sie geschossene Bild eine Chance verdient hat und ein paar neue Textideen auch nicht schaden können. 

Und da wir Sie bisher wohl nicht verschreckt haben, sagen wir es doch einfach deutlich: Eine Alternative gibt es nicht. Oder um den Sachverhalt mit klangvollen Dingen zu vergleichen:

Am 3. September 2001 waren sieben Titel der in den Top10 der deutschen Singlecharts platzierten Lieder sogenannte Coverversionen, also Neuaufnahmen von alten Hits.

Spannend, oder doch nicht?

Was wir damit sagen wollen: Es ist immer schöner, ein Original zu sein. 

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